Lernen in Sülldorf: einst und jetzt


Aufgeschrieben von Bärbel Diersche,
Lehrerin am Lehmkuhlenweg 1968 - 2005


Lernen hat in Sülldorf eine lange Tradition. Bereits aus dem Jahr 1757 stammt ein Brief des damaligen Schulhalters C.H. Waase an den zuständigen Landdrosten. Sülldorf zählt damals nur wenige Höfe, die die umliegenden Äcker gemeinschaftlich bestellen; das Vieh wird vom Hirten auf die nahegelegenen Öd- und Heideflächen getrieben. Schulhalter ist oftmals ein ausgedienter Soldat oder ein Handwerker, der, wie es damals üblich war, den Unterricht nebenbei erteilt, nachdem er vom Ortsgeistlichen in Religion, Schreiben, Lesen und Rechnen geprüft und dann als Schulhalter eingesetzt worden war.

Ein Schulhaus gibt es noch nicht. Dem Schulhalter steht zwar freie Wohnung in einem Raum der Hirtenkate zu. Dieser Raum dient aber gleichzeitig auch dem Unterricht. Außerdem soll der Schulhalter von den Bauern ein kleines Deputat an Roggen und Brennmaterial erhalten. Der Unterricht ist freiwillig. Wer den Unterricht besucht, muss ein festgesetztes Schulgeld entrichten.

Der Schulhalter Waase schildert am 30. 9. 1757 den unhaltbaren Zustand seines Wohnraumes in der Hirtenkate (zerbrochene Wände und Türen, unzählige Wanzen, Staub von der Decke, Beeinträchtigung durch Rauch und Dampf vom Kuhhirten, dazu die Enge des Raumes) und er dringt auf die Errichtung eines eigenen Schulhauses, wie es zwei namentlich genannte Vorgänger bereits von ihm beantragt haben.

Tatsächlich wird in der Zeit bis 1762 mit einfachsten Mitteln eine strohgedeckte Schulkate mit Lehmwänden errichtet, im südlichen Teil des heutigen Schulgeländes am Lehmkuhlenweg. Dennoch bleibt kein Schulhalter über einen längeren Zeitraum im Amt.

1878 wird neben dem Teich am Lehmkuhlenweg ein einklassiges Schulhaus gebaut, diesmal aus Stein; die inzwischen baufällig gewordene Schulkate wird abgerissen. Erster Lehrer ist Casper Hinrich Fuhlendorf, der als genauer Kenner der Bronzezeit viele vorzeitliche Ausgrabungen und Funde in Sülldorf gemacht hat. Die Schülerzahl steigt während seiner Amtszeit stark an. So wird ein zweiter Klassenraum eingerichtet, und es kommt mit Fräulein Averhoff erstmals eine Lehrerin in Sülldorf zum Einsatz.

Als Folge der Bautätigkeit in Sülldorf nimmt die Schülerzahl weiter zu. Während der langen Amtszeit des Hauptlehrers Johannes Heidorn (1904-1938) werden in westlicher Richtung zwei weitere Klassenräume und ein Abortgebäude (1906/08) angebaut und später auch ein Sportplatz auf dem heutigen Schulhof angelegt.

Während des zweiten Weltkrieges wird auf dem Schulhof ein Luftschutzgraben errichtet und mit Holzschwellen und Grassoden abgedeckt. Das Schulgebäude bleibt von Schäden verschont. 1948 wird im rechten Winkel zum bisherigen Gebäude der Quertrakt entlang der Schultwiete angebaut.

Bis Mitte der 60er Jahre können die Schüler und Schülerinnen am Lehmkuhlenweg nach der 9. Klasse ihren Schulabschluss machen. Von da an werden nur noch in der Grundstufe die Klassen 1 bis 4 und in der so genannten Beobachtungsstufe die Klassenstufen 5 und 6 unterrichtet.

1967 entstehen zwei neue Gebäude auf dem südlichen Teil des Schulgeländes mit je 6 Klassenräumen sowie eine Turnhalle.

Seit 1984 ist die Schule reine Grundschule mit den Klassenstufen 1 bis 4.

2006, zur Zeit der 750-Jahr-Feier Sülldorfs, sieht es an der Schule in Sülldorf so aus:

225 Schüler und Schülerinnen werden von 14 Lehrerinnen und dem Schulleiter Peter Mein unterrichtet. Es gibt jeweils zwei Parallelklassen und eine Vorschulklasse. Die beiden Gebäude aus dem Jahr 1967 mit den Klassenräumen sind im Jahr 2004 innen vollständig überholt worden und haben statt des Flachdachs ein Pultdach bekommen. Der nach dem Krieg erbaute Quertrakt ist seit dem Sommer 2005 ebenfalls grundsaniert. Hier befinden sich Fachräume, Lehrerzimmer und die Verwaltung. Der unter Denkmalschutz stehende älteste Teil entlang des Lehmkuhlenwegs war für Umbauten vollständig entkernt worden, musste aber wegen der sehr schlechten Bausubstanz in den Herbstferien 2005 abgerissen werden. Noch ist unklar, wie der Ersatz für die dadurch fehlende Aula und die ebenfalls fehlende Hausmeisterwohnung aussehen wird. Ebenfalls offen ist, wie die jetzige baufällige Turnhalle ersetzt wird.

Und wieder ringt ein Schulleiter mit den zuständigen Stellen um eine passable Lösung!

Schulleiter nach dem zweiten Weltkrieg:
Karl Krätschmer: 1945 bis 1964
Gustav Weselmann: bis 1971
Günter Dein: bis 1986
Sieghild Nett: bis 2002
Peter Mein: seit 2002