St. Michaelskirche in Sülldorf

Am Sonntag vor dem Erntedankfest am 29. September 1957, es war der St. Michaelstag jenes Jahres, wurde die Sülldorfer St. Michaelskirche von Bischof D. Wilhelm Halfmann und Propst Karl Hasselmann geweiht. Aber erst am 1. April 1958 wurde dann der ãV. Pfarrbezirk der Kirchengemeinde Blankenese mit dem Amtssitz in Sülldorf mit seiner St. Michaelskirche selbstständige Kirchengemeinde.

Ein festlicher Zug bewegte sich an jenem St. Michaelstag vom Gemeindehaus und Kirchsaal über den Sülldorfer Kirchenweg zum Portal der neuerbauten Kirche. Ihr Architekt Dr. Werner Rehder, Nienstedten, übergab mit Segenswünschen den Kirchenschlüssel dem Bischof, dieser dem Propst, und Pastor Stapel schloss die Tür auf.

"Tut mir auf die schöne Pforte, führt in Gottes Haus mich ein" sang die Gemeinde, welche die Kirche dicht füllte. In kurzer Frist konnte der Bau errichtet werden. Die feierliche Grundsteinlegung geschah am 22. Dezember 1956. Das Richtfest folgte passenderweise am St. Josefstag, 19. März 1957. Als Vorsitzender des Bauausschusses Blankenese begleitete Pastor Martin Christiansen den Bau mit liebevoller Anteilnahme.

Wer vom Sülldorfer Bahnhof den Sülldorfer Kirchenweg in Richtung Blankenese hinaufgeht, trifft hinter hohen, alten Eichen und Rotbuchen auf die Kirche. Vor ihr ruht im Schatten der Zweige, umgeben von Rhododendren, der riesige Findling mit den Namen der im 1. Weltkrieg gefallenen Sülldorfer und die Gedenkplatte für die Opfer des 2. Weltkrieges. Man könnte meinen, dass die Kirche nicht erst seit 1957, sondern eh und je hier stünde.

Um sie herum in einem Umkreis von einem Kilometer breitet sich Sülldorf aus: das alte, einst dem Hamburger Dom unterstandene und dann zum Kirchspiel Nienstedten gehörende "Sulendorpe" mit seinen behäbigen Strohdachgehöften, die später entstandenen Strassen und Häuser und die neuen Wohngebiete der Baugenossenschaften.

Sülldorf hat 7.912 Einwohner. Davon gehören 5.290 der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde an. Ihre Kirche steht also, wie es im Sprichwort heisst, "mitten im Dorf". Und das ist nicht nur lokal zu verstehen. Der Sonntagsgottesdienst ist Mittelpunkt des Gemeindelebens. Zu ihm führen alle Aktivitäten der Gemeinde hin: die Kantorei mit Chor und Collegium musicum, geleitet vom Kantor und Organisten Helge Schilensky, das wöchentliche Bibelgespräch, die Männer-, Frauen-, Mütter- und Seniorenkreise, die Kinder- und Jugendgruppen, die Kinderstube und der Kindergarten.

Viele Sülldorfer Männer und Frauen dienen ehrenamtlich im Kirchenvorstand und in den Kreisen ihrer Gemeinde. Seit 1954 wirkte Pastor Henning Stapel in Sülldorf. Von Anfang an stand ihm Willi Plietz als Kirchendiener treu zur Seite. Nach dessen Ruhestand ab 1975 &übernahm Otto Jürgs dieses Amt. 1980 begann Pastor Stapel seinen Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Pastor Christian Bahnsen.

Es lohnt sich, einmal aufmerksam um die Kirche herumzugehen. Dann merkt man, wie reizvoll der Architekt seinen Bau gestaltet hat. Backstein, Klinker, Granit und Holz sind die sichtbaren Elemente. Jeder der vier Seiten bietet ein ganz anderes Bild. Im Osten, fällt der Blick auf das große Flachrelief aus Granit, den siegreichen Michael über den Drachen darstellend. Dr. Rehder hat dies Bildnis entworfen.

Durch das Portal im Turm gelangt man, den kleinen Vorraum durchschreitend, in die Kirche. Sofort blickt man auf das farbige Rundfenster über dem Südportal, das den Michaelskampf mit dem Drachen darstellt. Dann wendet man sich links in den Mittelgang und schaut auf den großen Kruzifixus über dem Altar, den der Stader Künstler Roland von Oerzen aus altem Eichenholz geschnitzt hat. Golden leuchten die vier bronzenen Altarleuchter und der von den Handwerksfirmen gestiftete Taufsteindeckel. Die farbigen Paramente haben Flensburger Diakonissen entworfen und gewirkt.

Ein besonderer Schmuck des Raumes bildet die wuchtige Holzbalkendecke aus sieben mächtigen Quer- und zwölf schmalen Längsbalken. Die hohen schmalen Fenster, das Michaelsrundfenster und das Fenster im Vorraum mit der Pieta "Den Toten des Krieges" gewidmet, hat Anne Maria Blümke mit der Firma Kuball geschaffen. Sie war Trägerin des Bundesjugendpreises für Glasmalerei.

Die Weigle-Orgel mit 22 Registern auf zwei Manualen und Pedal umrahmt auf der Empore die hohen Fenster.

Drei bronzene Glocken, sichtbar oben im offenen Turm, läuten auf mannigfache Weise nach einer differenzierten Läuteordnung: Die große, tiefe gis-St. Michaelsglocke mit dem Michaelsbildnis und dem Glockenspruch "Michael heiße ich, - Gott ehre ich, Satan wehre ich", die mittlere Gebets- Lob- und Dankglocke, auf h, mit dem Bildnis der betenden Hände und dem Glockenspruch "Lobsingt und danket allesamt! Gott loben, das ist unsere Amt", und die kleine Kinder- und Taufglocke, auf cis, mit der Inschrift "Erkennt, dass Gott ist unser Herr, der uns geschaffen ihm zur Ehr" und dem Bildnis des Osterlämmleins mit den Christuszeichen. Die Glockengießerei Bachert hat diese Bronzeglocken gegossen. Seit 25 Jahren rufen nun diese Glocken und Laden die Sülldorfer ein, Gott zu dienen, und sich von Gott bedienen zu lassen durch Wort und Sakrament.